2026-06-14
https://www.spiegel.de/wirtschaft/russland-sanktionen-der-eu-deutschland-droht-offenbar-eine-fischstaebchen-krise-a-a80d9261-cad8-44fd-b01a-a0d4ce91965b
HaiPress

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Qualitätskontrolle in einer Fischstäbchen-Fabrik in Bremerhaven
Foto: Ingo Wagner / dpa
Auf die Produzenten von Fischstäbchen,Schlemmerfilets und anderen Tiefkühl-Fischgerichten kommen frostige Zeiten zu. Grund ist das kommende Sanktionspaket der EU gegen Russland. Die Pläne der EU-Kommission sehen offenbar vor,dass die Einfuhr von Alaska-Seelachs aus Russland in die EU innerhalb von zwei Jahren um die Hälfte reduziert werden muss. Das berichtet die Nachrichtenagentur dpa nach entsprechenden Recherchen. Angesichts des begrenzten Angebots könnte dies zu Produktionseinschränkungen und höheren Preisen führen.
Konkret ist den Plänen zufolge vorgesehen,die Importmenge sofort nach Inkrafttreten des neuen Sanktionspakets auf den Durchschnittswert der Jahre 2023 bis 2025 zu begrenzen. Nach einem Jahr sollen dann nur noch 75 Prozent der Menge und nach zwei Jahren nur noch 50 Prozent importiert werden dürfen.
Nach Angaben des Thünen-Instituts,das zum Geschäftsbereich des Bundeslandwirtschaftsministeriums zählt,ist Russland der viertgrößte Produzent von Meeresfisch weltweit und Deutschland in der EU der größte Abnehmer für Alaska-Seelachs-Filet von dort. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge wurden allein im vergangenen Jahr 93.500 Tonnen gefrorene Filets im Wert von rund 228 Millionen Euro in die Bundesrepublik importiert.
In dem Dossier des Bundesforschungsinstituts heißt es,in der Industrie gebe es Überlegungen,die Fehlmenge durch andere Fischarten auszugleichen,etwa durch Süßwasserfische aus Aquakultur wie den Pangasius. Ein vollständiger Ausgleich werde jedoch nicht möglich sein,weder nach Menge noch nach Darbietungsform oder Preis.
Alaska-Seelachs wird nach Angaben des Instituts hauptsächlich im Golf von Alaska,dem Ochotskischen Meer zwischen Russland und Japan und in der Beringsee gefangen. Er wird meist noch auf den Schiffen als Filet oder ausgenommener Fisch tiefgefroren.
Das Institut erwartet zudem,dass der von der EU nicht mehr gekaufte Fisch aus russischen Quellen künftig womöglich in andere Weltregionen geliefert wird. »In der Summe würde die deutsche Fischindustrie und damit auch die Versorgung des europäischen Marktes mit günstigen Fischprodukten unwiderruflich Schaden nehmen«,heißt es in dem Dokument mit dem Titel »Droht eine Fischstäbchenkrise?«. Selbst nach einem Ende des Ukrainekriegs würden Fischstäbchen dann aus Fernost kommen und nicht aus heimischer Produktion.
Solche Töne dürften der Industie gefallen. Produzenten wie Iglo oder Frosta äußerten sich auf Anfrage zunächst nicht zu den geplanten EU-Sanktionen und den möglichen Folgen. Die Branche warnte allerdings bereits vor Jahren in dramatischen Tönen vor den Folgen von Sanktionen auf russischen Fisch,schon beim Fischereitag 2024 war von einem »Horrorszenario« die Rede – das selbst in der Branche nicht von allen geteilt wurde.
Ein Sprecher des Bundeslandwirtschaftsministeriums sagte,die Bundesregierung unterstütze Maßnahmen,die dazu beitragen,Russland die wirtschaftliche Basis zu entziehen,seinen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen die Ukraine fortzusetzen. Das Ministerium prüft momentan Auswirkungen des Vorschlags der EU-Kommission,die Einfuhr von russischem Fisch zu sanktionieren.
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Das 21. Paket mit Russlandsanktionen der EU soll nach Angaben von Diplomaten spätestens im Juli beschlossen werden. Es soll neben den Einfuhrbeschränkungen für Alaska-Seelachs unter anderem auch ein komplettes Importverbot für russischen Kabeljau ab 2028 umfassen. Bereits in der Vergangenheit hat die EU etwa die Einfuhr von Öl und Gas aus Russland weitgehend eingeschränkt. Für Güter wie Zement,Holz,Diamanten und Gold gelten Importverbote.
jpe/dpa